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CURATED BY

Pauline Doutreluingne
& Petra Poelzl


04·09 
—27·09·2020 


Fri · Sat · Sun · 13.00 — 19.00
Standortfriedhof Lilienthalstraße
Lilienthalstraße 7, 10965 Berlin



FEATURING

Anne Duk Hee Jordan
& Viron Erol Vert


AUSGEHEND

von der 1938 bis 1941 als „Tempel des Vaterlandes“ erbauten Ehrenhalle am Friedhof Lilienthalstraße 7 in Berlin-Neukölln setzt A Handful of Dust sich mit dem Thema der Angst in historischen gesellschaftspolitischen Kontexten auseinander. Das Erzeugen gesellschaftlicher Ängste stellt ein verlässliches Werkzeug im Prozess von Machtgewinnung dar und nimmt in den Strukturen von Nationalsozialismus und Kolonialgeschichte eine zentrale Stellung ein. Auch in jüngster Zeit wird durch das Erzeugen von Feindbildern Angst geschürt, die dazu dient, politisch-gesellschaftliche Machtstrukturen auf- und auszubauen. Denn anstatt einer konstruktiven und strategischen Annäherung an Themen wie Klimawandel, Migration und technologischen Wandel, wird durch Populismus und Emotionalisierung Verunsicherung in breiten Teilen der Gesellschaft geschürt und damit der Boden für Angst genährt.

A Handful of Dust versteht sich als ein Infrage-stellen von Schwarz-Weiß Gegenüberstellungen und sucht nach Wegen des Denkens und Handelns außerhalb dieser Extreme, um so die Vielschichtigkeit und Komplexität von Geschichtsschreibung sichtbar zu machen. Der voranschreitenden Polarisierung und gesellschaftlichen Spaltung will das Projekt die Suche nach Zwischentönen entgegensetzen, diese finden und aufzeigen.

Gemeinsam mit der Künstlerin Anne Duk Hee Jordan und dem Künstler Viron Erol Vert entwickelten die Kuratorinnen Pauline Doutreluingne und Petra Poelzl einen künstlerischen, performativen und diskursiven Erfahrungsraum, indem nach Strategien zur Dekonstruktion hegemonischer Denksysteme gesucht wird und vielgestaltige, normumwandelnde Imaginationen und Erzählungen sichtbar, hörbar und fühlbar gemacht werden.

Neben einer kollaborativ entwickelten künstlerischen Rauminstallation von Anne Duk Hee Jordan und Viron Erol Vert in der Ehrenhalle im Zentrum des Standortfriedhofs wird auch das Areal um die Halle herum über die Dauer von vier Wochenenden (04.09.2020 – 27.09.2020) durch klangliche, diskursive und performative Formate bespielt. Die Kuratorinnen, Künstler*innen, Performer*innen, Wissenschaftler*innen und Musiker*innen begeben sich bewusst in diesen „Fremdkörper“, einen historisch besetzten Nicht-Kunstort, und zielen durch eine reflektierende Auseinandersetzung darauf ab, pluralistische Denkräume zu öffnen.



STANDORTFRIEDHOF LILIENTHALSTRASSE 7

Die Ehrenhalle am Standortfriedhof Lilienthalstrasse 7 wurde im Auftrag des Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt, Albert Speer, errichtet und durch den Architekten Wilhelm Büning fertig gestellt. Ursprünglich diente die Halle als Ort der Heldenverehrung für die gefallenen deutschen Soldaten, als Ausdruck von zeitlosem Ruhm des tausendjährigen Dritten Reiches. Sie ist umringt von einem Friedhof, der für gefallene Soldaten der Wehrmacht errichtet wurde. Heute ruhen dort 4935 Opfer des Zweiten Weltkrieges in Einzelgräbern: Soldaten, Zivilisten, Bombenopfer. Weiterhin ruhen ungezählte Kriegstote in Sammelgräbern auf einer Fläche von 1432 Quadratmeter. Seit 2018 wird ein Teil des Friedhofes auch für islamische Bestattungen genutzt. Der Standortfriedhof Lilienthalstraße mit Ehrenhalle und Krypta ist ein geschichtsträchtiger Ort, dem eine Ideologie zugrunde liegt, die überwunden scheint, deren Mechanismen jedoch gerade heute wieder von größter Brisanz sind. 

CONTRIBUTORS 


Mika Hayashi Ebbesen
Sara Neidorf
Nathalie Mba Bikoro
Ariel Efraim Ashbel
Cymin Samawatie
Korhan Erel
Ralf Schwarz
Lena Ditte Nissen
Sandra Franz
Dr. Anna Zakrisson

Mmakgosi Kgabi


PROGRAMM


FREITAG

04·09


15.00 – 21.00                                
19.00
Opening & Sonic Manifestation 

Mika Hayashi Ebbesen
      & Sara Neidorf




SAMSTAG

05·09


13.00 – 20.00                                 
Performance

Nathalie Mba Bikoro 





SAMSTAG

12·09


17.00
Talk & Performative Walk 

Lena Ditte Nissen
  & Sandra Franz 





SAMSTAG

19·09


17.00    
Sonic Manifestation              

Mika Hayashi Ebbesen
  & Sara Neidorf


18:30
Performative Walk

Ariel Efraim Ashbel





SAMSTAG

26·09


17.00
Lecture

Dr. Anna Zakrisson





SONNTAG

27·09


Sound Improvisation
Finnisage

17.00  

Konzert 

Cymin Samawatie
    Korhan Erel   
Ralf Schwarz





KURZBIOGRAFIEN


Pauline Doutreluingne
ist als Kuratorin in Berlin tätig. Mit ihrer Arbeit versucht sie kulturelle und ökologische Differenzierungen anzuregen und aus kolonialem Denken stammende gesellschaftliche Ideen zu dekonstruieren. Ihre kuratorischen Projekte sind Dialoge und Recherchen für ein ideenreiches Denken. Zu den jüngst von ihr kuratierten Ausstellungen gehören Interiors to Being (2019), Karma Ltd. Extended (2018), Acud Macht Neu, Berlin, The Conundrum of Imagination (2017), Leopold Museum, Wien (mit Bonaventure Soh Ndikung); Agency of Living Organisms (2016), Tabakalera, Spanien. Seit 2019 unterrichtet sie an der HBK Braunschweig über das Hinterfragen des Kanons in der Kunst des 20. Jahrhunderts. paulinedoutreluingne.com


Petra Poelzl
ist als Dramaturgin, Kuratorin und Researcherin tätig. Ihre Praxis bewegt sich zwischen Darstellender und Bildender Kunst und sucht stets nach Strategien antagonistische Machtstrukturen sichtbar zu machen und so einen Raum des Austausches zu schaffen. Derzeit arbeitet Poelzl als Künstlerische Leiterin und Geschäftsleiterin der Neuen Galerie und des Kunstpavillons in Innsbruck. Weiters ist Poelzl als Dramaturgin für Ariel Efraim Ashbel und Tianzhuo Chen tätig. Von 2014 - 2016 war Poelzl Dramaturgin beim steirischen herbst, 2018 co-kuratierte sie die einjährige Ausstellungsreihe Karma Ltd. Extended (2018) am Kunsthaus Acud Macht Neu in Berlin und unterrichtete im Bereich der Theaterwissenschaft an der Freie Universität in Berlin. petrapoelzl.com



Anne Duk Hee Jordan

Vergänglichkeit und Transformation sind zentrales Thema in den Arbeiten von Anne Duk Hee Jordan (*1978). Sie interessiert sich für die nicht wahrnehmbaren (menschlichen und nicht-menschlichen) Details des Lebens. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf dem Experimentieren mit Phänomenen aus unterschiedlichen Ökosystemen. Dabei verwendet sie ein visuelles Vokabular, das viele verschiedene soziale und ökologische Phänomene anspricht. Als Bildhauerin erschafft sie Skulpturen, Bühnenbilder, Geschichten, Landschaften und Beziehungsnetzwerke des Kosmos. Durch Bewegung und Performance kreiert sie eine Materialität und öffnet damit neue und ferne Dimensionen. So baut sie motorisierte Skulpturen und realisiert essbare Landschaften. dukhee.de


Viron Erol Vert
lebt und arbeitet als visueller Künstler zwischen Berlin, Athen und Istanbul. Seine persönliche multikulturelle Prägung spielt eine Schlüsselrolle im Entstehungsprozess seiner künstlerischen Forschung, wobei sein künstlerisches Interesse religiöse Systeme, kulturelle Identität und sprachwissenschaftliche Erfahrungen umfasst. Nach seinem Abschluss an der HTW Berlin im Bereich Modedesign studierte er visuelle Kunst an der Königlichen Akademie in Antwerpen und im Anschluss daran Textil und experimentelle Oberfläche an der Kunsthochschule Weißensee (KHB), wo er 2011/12 Meisterschüler bei Prof. Pranyko war. vironerolvert.com



A Handful of Dust is supported by the Senatsverwaltung für Kultur und Europa.